Offener Brief an die Senatorin für Kinder und Bildung: Versorgung massiv gefährdet!

Dienstag, 28 Januar, 2020 - 09:00

An die Senatorin für Kinder und Bildung
und die kinderpolitischen Sprecher*innen in der Bremischen Bürgerschaft

per MAIL als Offener Brief

Sehr geehrte Frau Senatorin Dr. Claudia Bogedan,
sehr geehrte kinderpolitische Sprecher*innen der Fraktionen in der Bremischen Bürgerschaft,

wir sind in großer Sorge darüber, dass wir in unseren Kindertageseinrichtungen (Kitas) unserem eigenen Anspruch an ein inklusives Angebot in der frühen Bildung nicht mehr gerecht werden können. Wir stellen fest, dass wir schon seit Jahren trotz sinkender Standards bemüht sind, eine immer größere Zahl von Kindern mit einem hohen Unterstützungs- und Förderbedarf in unseren Kitas zu betreuen.

Im Zuge des Ausbaus von immer mehr Plätzen in der Kindertagesbetreuung ist die Anzahl dieser Kinder absolut gestiegen. Von 2008 bis 2018 hat sich ihr Umfang verdoppelt. Die vor über zehn Jahren festgelegte, von Beginn an nicht auskömmliche, zusätzliche Personalausstattung ist bis 2018 gar nicht und danach nur marginal erhöht worden. Seit Jahren weisen die Träger darauf hin, dass diese fehlende Ausstattung zur Sicherung der Teilhabe im Kindergartenalltag zulasten der Kinder und unserer Mitarbeitenden geht. Zu diesem Themenkomplex wurde bereits eine fachliche Handlungsempfehlung entwickelt; eine Konkretisierung der dafür notwendigen Ressourcen wird seitens der Träger derzeit erstellt.

Die Kindertagesbetreuung in Bremen ist als inklusives System ausgerichtet. Alle Kinder, auch die mit erhöhtem Unterstützungs- und Förderbedarf, sollen in den Kitas der verschiedenen Träger ein qualifiziertes Bildungs- und Betreuungsangebot erhalten. Die gemeinsame Erziehung und Bildung für Kinder mit und ohne Förderbedarf hat in Bremen eine jahrzehntelange Tradition. Seit Anfang der 1980er Jahre ist dieses integrative (heute inklusive) Angebot in der frühen Bildung in Bremen zum Maßstab für die Kindertagesbetreuung geworden, welches auf der Grundlage des Wunsch- und Wahlrechtes der Eltern begründet ist. Seitdem haben sich Gesellschaft und Politik gleichermaßen dieser Idee verschrieben.

Die Träger der Kindertagesbetreuung benötigen jetzt Planungssicherheit darüber und wollen wissen, in welchem Umfang die zusätzliche Personalausstattung für das kommende Kindergartenjahr erfolgen wird. Die bislang veranschlagten Mittel reichen aus unserer Sicht nicht aus, um eine Versorgung in verantwortbarer Weise sicherzustellen.

Freundliche Grüße

gez. Dr. Carsten Schlepper
Landesverband Evangelischer Landesarbeitsgemeinschaft

gez. Dr. Arnold Knigge
Tageseinrichtungen für Kinder der Freien Wohlfahrtspflege

Zur Kenntnis:
Senatorin für Kinder und Bildung Frau Dr. Bogedan
Kinderpolitische Sprecher*innen der Fraktionen in der Bremischen Bürgerschaft:
Herr Güngör, SPD
Frau Dr. Eschen, Bündnis 90/Die Grünen
Frau Leonidakis, Die Linke
Frau Ahrens, CDU
Frau Bergmann, FDP